DIN 55415

DIN554145 Palettenstabiliät

Neben der Norm des Europäischen Vereins für sichere Ladungen EUMOS 40509 → existiert eine weitere Norm, die sich mit der Stabilität von Ladeeinheiten befasst: Die DIN 55415.  Während der verfolgte Zweck beider Normen gleich ist, unterscheiden sie sich doch maßgeblich in der Herangehensweise. Wie genau eine Prüfung nach DIN 55415 aussehen kann, wie das Ergebnis ausgewertet wird, und was die Transportstabilitätsklassen zu bedeuten haben, erfahren Sie hier im Beitrag.

Der Hintergrund – Wieso DIN 55415?

Wie schon in unserem Beitrag zu EUMOS 40509 → erläutert, verpflichtet die deutsche Straßenverkehrsordnung im zweiundzwanzigsten Paragraphen zu einer sicheren Ladung gemäß den anerkannten Regeln der Technik. Im genauen Wortlaut verlangt der Gesetzgeber hier, dass die Ladung „so zu verstauen und zu sichern“ ist, „dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen könnte.“

Es ist natürlich unrealistisch, dass jede Bewegung und Deformation einer Ladeeinheit vollständig ausgeschlossen wird. Daher werden Normen benötigt, welche auf physikalischer Grundlage realistische Grenzwerte setzen und so die Stabilität von Ladeeinheiten definieren. Während in anderen EU-Ländern hierzu meist die EUMOS 40509 hinzugezogen wird, kennt man in Deutschland vor allem die DIN 55415.

Mehr über EUMOS 40509 lesen Sie hier.

 

Wobei hilft DIN 55415?

Die meisten Unternehmen können sich keine genaue Vorstellung davon machen, wie stabil ihre Paletten sind. Ladeeinheitensicherung geschieht nach bestem Wissen und Erfahrung, und wenn es zu Transportschäden kommt, wird meist mit mehr Verpackungsmaterial gekontert. Normen wie DIN 55415 und EUMOS 40590 helfen dadurch, dass sie erstens definieren, wann eine Ladeeinheit stabil ist, und zweitens indem sie vereinheitlichen, wie die genauen Stabilitätswerte ermittelt werden können. Mithilfe dieser Normen kann so die Transportsicherheit ihrer Paletten objektiv bewertet werden. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, kann von Verpackungsexperten und -optimierern gezielt nachgebessert werden.

Wenn die Prüfung eine gute Ladeeinheitensicherung nachweist und diese zertifiziert, so gibt Ihnen das nicht nur die Gewissheit, dass Ihre Verpackung sicher ist, sondern kann auch im Fall eines Schadens helfen nachzuweisen, dass Sie als Unternehmen in Bezug auf die Verpackung der größtmöglichen Sorgfaltspflicht nachgekommen sind.

 

Prüfung von Ladeeinheiten nach DIN 55415

Bei der Prüfung von Ladeeinheiten bzw. Paletten nach DIN 55415 gibt es mehrere Möglichkeiten: Die dynamische Laborprüfung, die fahrdynamische Prüfung, und die statische Neigungsprüfung. Alle drei Prüfverfahren sind in der DIN 55415 gleichberechtigt, und es kann frei zwischen ihnen gewählt werden. Der Grenzwert von vier Zentimetern Deformation ist bei allen Prüfverfahren gleich.

Bei einer dynamischen Laborprüfung, wie sie in ähnlicher Form auch für die Prüfung nach EUMOS 40509 verwendet wird, steht die Ladeeinheit bzw. Palette auf einem Schlitten, welcher auf einer Beschleunigungsbank kontrolliert beschleunigt und gebremst wird, um fest definierte g-Kräfte zu erzeugen. Anschließend wird an der Ladeeinheit gemessen, welche Deformation nach Ende der Beschleunigung und Bremsung entstanden ist (-> permanente Deformation). Die dynamische Deformation, welche während der Beschleunigung und Bremsung auftritt, ist für die DIN 55415 nicht ausschlaggebend.

Die festgelegten Voraussetzungen für eine dynamische Laborprüfung nach DIN 55415 sind anders als nach EUMOS 40509, weshalb nicht auf allen Beschleunigungsbänken auch nach DIN 55415 getestet werden kann.

Bei einer fahrdynamischen Prüfung gemäß DIN EN 12642:2017-03 wird die Ladeeinheit auf die Ladefläche eines LKWs geladen und genau definierten Fahrmanövern unterzogen. Hierdurch werden typische Belastungssituationen im Straßenverkehr simuliert. Dabei ist es genau festgeschrieben, welche Manöver für die Prüfungen welcher angestrebten Transportstabilitätsklassen zugelassen sind. Die dynamische Fahrprüfung ist zwar die aufwändigste und teuerste aller Prüfungsarten, allerdings kommen ihre Ergebnisse der Realität im Straßenverkehrsalltag am nächsten.

Bei einer statischen Neigungsprüfung, auch Kipptest genannt, steht die Ladeeinheit fest auf einer ebenen Grundfläche und wird mit einer festgelegten Geschwindigkeit auf einer Seite angehoben. Anschließend wird mittels einer trigonometrischen Formel über den Neigungswinkel, bei dem der Grenzwert von 4 Zentimetern Deformation noch eingehalten wurde, die standgehaltene g-Kraft ermittelt.

Die Transportstabilitätsklassen

Nach der vollendeten Prüfung nach DIN 55415 wird diese in einem Prüfbericht festgehalten, welcher alle wichtigen Testdaten enthält. Anhand der g-Kraft, bei welcher die Deformation der Ladeeinheit unter 4 Zentimetern blieb, wird sie anschließend in eine der 5 Transportstabilitätsklassen eingeordnet.

 Hat die Ladeeinheit sich bereits bei einer g-Kraft (oder dem entsprechenden Neigungswinkel) von unter 0,18 um 4 Zentimeter deformiert, so gilt die Prüfung als nicht erfolgreich

Transportstabilitätsklasseg-Kraft
TK 1mehr als 1,0 g
TK 2bis 1,0 g
TK 3bis 0,8 g
TK 4bis 0,5 g
TK 5bis 0,3 g
Prüfung nicht erfolgreichunter 0,18 g
Transportstabilitätsklasse = g-Kraft

TK 1 = mehr als 1,0 g

TK 2 = bis 1,0 g

TK 3 = bis 0,8 g

TK 4 = bis 0,5 g

TK 5 = bis 0,3 g

Prüfung nicht erfolgreich = unter 0,18 g


Bei erfolgreicher Prüfung wird ein Zertifikat ausgestellt, welches bescheinigt, dass die geprüfte Ladeeinheit der ermittelten Transportstabilitätsklasse entspricht. Außerdem werden die genauen Eigenschaften der geprüften Ladeeinheit angegeben, sodass angenommen werden kann, dass Ladeeinheiten, welche auf die gleiche Weise gepackt werden wie die geprüfte Ladeeinheit auch die gleiche Stabilität aufweisen.


Fazit

DIN 55415 – eine Norm, welche auf den ersten Blick das gleiche verspricht wie EUMOS 40509, aber im Grunde einige wichtige Unterschiede aufweist. Ob durch einen Kipptest, eine fahrdynamische Prüfung oder auf der Beschleunigungsbank – DIN 55415 bietet alle Möglichkeiten zur Prüfung von Ladeeinheiten mit einem einheitlichen Prüfbericht und einer Zertifizierung, welche objektive Gewissheit über den Zustand Ihrer Ladeeinheitensicherung geben kann.